Würmer treiben Flohrebse in den Selbstmord

Parasiten bei Flohkreben.

Würmer treiben Flohrebse in den Selbstmord.


Würmer treiben Flohrebse in den Selbstmordfoto: Uwe Kils / Wikipedia
Bonn (16.02.2007) - Bonner Biologen kommen trickreichen Vermehrungsstrategie eines Parasiten auf die Spur. Der Wurm befällt Flohkrebse um diese alsbald Selbstmord begehen zu lassen.

Das Wunder der Geburt ist eines der heiligsten Vorgänge in der Natur. Dennoch teilt die Natur nur selten menschliche Moralvorstellungen. In der Regel gilt das Gesetz „Fressen und gefressen werden“. So berichten Forscher im International Journal for Parasitology (Band 37. S. 61-65) von einem Wurm, der seine Entwicklung vom Tod seines Wirtes, des Flohkrebses, abhängig macht.

Wie Biologen der Universität Bonn nun in mehreren Versuchen nachweisen konnten programmiert der Wurm den Flohkrebs so um, dass dessen Verhalten sich ändert. „Infizierte Bachflohkrebse gehen gefräßigen Fischen nicht mehr aus dem Weg, sondern schwimmen ihnen sogar entgegen“, erklärt der Bonner Evolutionsbiologe Sebastian Baldauf. Die Wahrscheinlichkeit dass der Krebs von einem Flussbarsch gefressen wird ist sehr hoch. Im Fisch entwickelt sich die Larve weiter zum erwachsenen Wurm. Der Kreislauf schließt sich wieder wenn der Flussbarsch über den Kot Wurmeier ins Wasser ausscheidet, welche wiederum von Flohkrebsen gefressen werden.

Die Bonner Forscher stellten sich die Frage welche der Sinne des Flohkrebses umprogrammiert wurden. Dazu setzten sie infizierte und gesunde Krebse auf den Grund eines Aquariums und spannten darüber ein feinmaschiges Netz. Das Becken oberhalb des Netzes trennten sie mit einer Wand in zwei Teile. „Wenn wir nun in eines dieser Teilbecken einen Flussbarsch setzten, schwammen die infizierten Krebse zu seiner Seite“, sagt Sebastian Baldauf. „Die gesunden Tiere zogen sich dagegen in die andere Hälfte des Aquariums zurück.“

In einem zweiten Versuch wurde der Geruchssinn untersucht. Es wurde der gleiche Versuchsaufbau verwendet. Anstelle des Barsches wurde aber nur ein wenig Wasser gegossen, in dem sich vorher der Barsch befunden hatte. Die kranken Tiere fühlten sich von ihr dagegen magisch angezogen. „P. laevis scheint also die Verarbeitung der Geruchsreize in den Krebsen umzukehren“, interpretiert Baldauf die Ergebnisse. „Der Sehsinn bleibt dagegen unbeeinflusst, wie wir in anderen Experimenten feststellen konnten.“ Möglicherweise verändert der Schmarotzer die Ausschüttung des Neurotransmitters Serotonin, was die Signalverarbeitung im Krebs-Gehirn verändern könnte.

Viele Parasiten entwickeln ausgefeilte Strategien um den Wirt zu wechseln. „Ein schönes Beispiel liefert der Saugwurm, dessen Jungstadien sich in Bernsteinschnecken entwickeln“, erklärt Sebastian Baldauf. Schließlich dringen die Saugwurmlarven in die Fühler der Schnecke ein und verwandeln sie in farbenfroh geringelte pulsierende Fortsätze. Endwirt ist in diesem Fall die Wasseramsel: Die sieht die auffälligen Fühler und frisst sie samt ihrem infektiösen Inhalt auf.“




  • Institut der Universität Bonn













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