Inzucht bei Buntbarschen

Inzucht ist nicht immer schädlich für die Nachkommen.

Inzucht ist nicht immer schädlich für die Nachkommen.


Inzucht bei Buntbarschen ist nicht immer schädlich für die Nachkommenfoto: Dr. Harald Kullmann / Uni Bonn
Bonn (15.02.2007) - Was bei Menschen tabu ist kann im Tierreich eine Bereicherung sein. Inzucht bei Buntbarschen hinterlässt beim Nachwuchs keine genetischen Komplikationen. Stattdessen arbeiten verwandte Eltern bei der Aufzucht der Kinder besser zusammen.

Bonner Forscher untersuchten die Zeugung bei Buntbarschen. Dabei stelltet man sich die Frage, ob Buntbarsche mehr mit Familienmitgliedern, Bruder oder Schwester, oder sich mit nicht verwandten Artgenossen paaren. Die Evolutionsbiologen Timo Thünken, Dr. Harald Kullmann und ihre Kollegen vom Institut für Evolutionsbiologie und Ökologie fanden heraus, dass Buntbarsche verwandet Partner bevorzugen.

Zur Untersuchung wurden geschlechtsreifer Buntbarsch-Männchen in ein Aquarium mit zwei Weibchen gesetzt. Die einzelnen Tiere wurden für den Versuch mit einer Farbmarkierung versehen. Eine der beiden Partnerinnen war eine Schwester des Männchens. Die Zweite war nicht verwandt. Die Bonner Biologen konnten nachweisen, dass in ungefähr 75 Prozent der Fälle es zu einer inzestiösen Liaison kam.

„Es ist das erste Mal, dass eine solche Präferenz für einen eng verwandten Partner experimentell nachgewiesen wurde“, erklärte Timo Thünken vom Institut für Evolutionsbiologie und Ökologie. „Unsere Untersuchungen zeigten dass Inzucht die Fitness der Nachkommen kaum zu beeinträchtigen scheinen. Bisher theoretische Arbeiten sagten voraus, dass Inzucht bei Sexualpartner auch Vorteile bringen kann“.

Diese neuen Theorien stehen zu der weltweiten Meinung der Forscher, dass die Liebe unter Geschwistern überwiegend Nachteile mit sich bringt. Kinder, die von Geschwistern gezeugt werden erben von jedem Elternteil eine Kopie des Genmaterials. Ist bei einem Partner ein Teil der Erbmasse mutiert, so wird dies in der Regel durch die „gesunde“ Kopie des anderen Elternteils ausgeglichen. Bei verwandten Elternteilen wird die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass bei beiden Partnern die selbe Erbanlage defekt ist. Zu beobachten ist dieser Effekt beispielsweise an der Gerinnungsstörung (Hämophilie), die inzuchtbedingt vor allem Adelige traf. Diese Krankheit wurde daher „Krankheit der Könige“ genannt.

Geschwisterliebe schützt die Brut vor Fressfeinden

Die Forscher der Uni-Bonn stellten in Gegensatz zur bisherigen Meinung fest, dass Buntbarsche nach dem Schlupf auf Ihren Nachwuchs sehr gut aufpassen müssen, um sie vor Fressfeinden zu schützen. Die Barsche zeigen dabei ein extrem kooperatives Verhalten, indem Sie Ihren Nachwuchs bei den ersten Ausflügen eskortieren oder die Bruthöhle bewachen.

Fremde Männchen vernachlässigen hierbei häufiger Ihre Pflichten und attackieren ebenfalls öfter Ihre Partnerin, als verwandte Partner. „Der Nachwuchs von Geschwistern zeigt keinerlei Anomalien auf. Weder starb er schneller, noch blieb er kleine oder schwächer als der Nachwuchs von nichtverwandten Buntbarschen“, sagte Timo Thünken. „Unsere Tiere stammen aus einem Bachlauf in Kamerun, wo nur eine einzige vergleichsweise kleine Population lebt“, erklärt Thünken die Beobachtungen. „Hier ist es wahrscheinlich über viele Generationen immer wieder zu Inzucht gekommen. Nachkommen mit gefährlichen Erbkrankheiten sind dann früh gestorben“. Das genetische Material könnte also über die Generationen hinweg gereinigt worden sein, so dass Inzucht für die untersuchten Buntbarsche heute kaum noch gefährliche Konsequenzen hat.

Die Forscher vermuten dass die gefundenen Ergebnisse auch für andere Arten zutreffen könnten.



  • Institut für Evolutionsbiologie und Ökologie der Universität Bonn













Wir empfehlen
AT 175x115 TauschRausch

IMAX Filme

 Drei IMAX Filme [mehr...]
Suchbegriff eingeben:

Biologie
Grönlandhai
 Grönlandhai [mehr...]