TAUCHSPORT - IFM-Geomar berichtet über Steinkorallen als natürliche Niederschlagsmesser - TAUCHEN

Untersuchungen zeigen das Steinkorallen natürliche Niederschlagsmesser sind.


TAUCHSPORT - Steinkorallen als lebende Niederschlagsmesser.foto: redaktion
Kiel (30.01.2007) - Untersuchungen Kieler Meereswissenschaftler zeigen, dass aus dem Wachstum tropischen Korallen unter bestimmten Bedingungen nicht nur Wassertemperaturen sondern auch Niederschläge abgeleitet werden können. Eine Arbeit zu den Zusammenhängen zwischen Korallenwachstum und Niederschlagsschwankungen im tropischen Indischen Ozean wurde kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift „Geology“ der Amerikanischen Geologischen Gesellschaft publiziert.

Tropische, langlebige Steinkorallen sind auf Grund ihres saisonalen Wachstums, ähnlich wie Bäume, hervorragende Umweltarchive. Während ihres Wachstums bauen die Korallen Spurenstoffe aus dem umgebenden Meerwasser in ihr Kalkskelett ein. Deren Zusammensetzung lässt Rückschlüsse auf die Wassertemperatur oder auch den Niederschlag zu. Durch die Analyse so genannter Isotopenverhältnisse lassen sich aus dem Korallenkalk Informationen über die Wassertemperatur aber auch den Niederschlag gewinnen.

Im Untersuchungsgebiet des tropischen Indischen Ozeans hat sich die Wassertemperatur in den letzten Jahrzehnten nur sehr langsam zu höheren Werten hin verändert. Dabei wurde zunehmend ein für das Entstehen von intensiver tropischer Konvektion kritischer Wert von etwa 28,5 Grad Celsius überschritten. Bei Überschreiten dieses Schwellenwertes steigt die Niederschlagsintensität stark an, was zu einer Verdünnung des Salzwassers (Aussüßung) in der oberflächennahen Ozeanschicht führt. In Abb. 1a ist die deutlich ansteigende Bewölkung als Maß für die erhöhte Konvektionsaktivität deutlich erkennbar.

Im Kalkskelett der Korallen ist der Niederschlagseffekt in den Verhältnissen von Sauerstoffisotopen, dem so genannten delta18O Wert, gut zu erkennen (s. Abb. 1b).
Demgegenüber weist das Verhältnis von Strontium zu Kalzium (Sr/Ca) kaum eine Veränderung auf und spiegelt die Entwicklung der Wassertemperaturen wider (s. Abb. 1c).

Die im Verhältnis weit stärker angestiegenen delta18O Werte im Unterschied zu den Sr/Ca Daten der untersuchten Korallen belegen zum ersten Mal den Wert dieser tropischen Rifforganismen als indirekte Regenmesser.

„Durch die Ableitung dieses qualitativen Zusammenhangs ist es nun möglich, mit Hilfe von tropischen Korallen konvektive Niederschlagsperioden zu identifizieren, für die keine instrumentellen Daten vorliegen“, so Prof. Wolf-Christian Dullo vom IFM-GEOMAR. „Wir haben mit dieser Studie erstmals bewiesen, das Korallen sich auch als Niederschlagsmesser eignen“, so Prof. Dullo weiter. Dr. Miriam Pfeiffer, Hauptautorin der Arbeit erläutert: „Im nächsten Schritt wollen wir nun versuchen, eine quantitative Beziehung zwischen den Isotopendaten und Niederschlagsmengen herzustellen. Dann können wir wirklich Niederschlagsdaten aus vergangenen Zeiten rekonstruieren. Gerade solche Informationen sind in vielen Regionen der Erde rar, aber wichtig für das Verständnis der natürlichen Schwankungen unseres Klimasystems“.


  • IFM-Geomar
  • Pfeiffer, M., O. Timm, W.-C. Dullo, and D. Garbe-Schönberg, 2006: Paired coral Sr/Ca and delta18O records from the Chagos Archipelago: Late twentieth century warming affects rainfall variability in the tropical Indian Ocean. Geology, 34 (12), 1069-1072, doi: 10.1130/G23162A.1.













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