Grönlandhai
Foto: Chris Harvey-Clark
Quebec, Kanada (10.11.2006) - Von Brian Lin
In den kalten und düsteren Gewässern des St. Lawrence Flusses in Québec entdeckte Chris Harvey-Clark,
Meeresbiologe und Tierarzt der Universität von Britisch Columbia den dort nicht heimischen
arktischen Grönlandhai. Dieser Jäger der Meere wird als eines der ältesten Wirbeltiere eingestuft.
Der Grönlandhai bewohnt gewöhnlicher Weise die tiefen und dunklen Gewässer um Grönland und an der
Polarkappe. Mit einer Länge von bis zu sechs Metern und einem Gewicht von bis zu 2000 Kilogramm
ist der Grönlandhai der größte Hai der im Nord Atlantik anzutreffen ist. Er ist ebenfalls der einzige
Hai der unter dem Eis lebt. In der Vergangenheit wurde der arktische Grönlandhai wegen seines
Vitamin A reichen Öles beinahe ausgerottet. Bis zu 50.000 Exemplare wurden nach einer Studie aus dem
Jahre 1948 jährlich gefangen.
Wenig ist bisher über den Grönlandhai bekannt. "Alle bisher publizierten Dokumente, und Zeitschriftenartikel
über diese Haiart füllen nicht einmal zwei Schuhkartons", sagt Harvey-Clark, welcher schon im Alter
von 12 Jahren fasziniert von den Grönlandhaien war, nachdem er eine Fotografie eines Eisfischers
mit einem gefangenen Grönlandhai sah. "Wo leben diese Fische? Was essen sie? Wie und wo brühten die Haie? Wie groß werden sie und wie alt werden
die Haie? Das sind alles Fragen, wie sie ein Zweitklässler stellen würde, und wir können Sie nicht
sicher beantworten."
Verschiedene historische Anekdoten porträtieren den arktischen Grönlandhai als einen Aasfresser, der
sich in extrem tiefen Gewässern aufhält. Ein Hai wurde in einer Tiefe von 2100 Metern entdeckt. Sie
bevorzugen Seelöwenkadaver essen jedoch alles was sie finden. Im Magen eines Exemplares wurde sogar
ein ganzes Karibu gefunden. Die einzig bekannte Altersbestimmung wurde von einem norwegischen
Wissenschaftler erstellt. Es wird geschätzt, dass der Hai einen halben Zentimeter pro Jahr wächst.
Diese Untersuchung würde das Alter eines sechs Meter Hais auf mehrere Hundert Jahre bestimmen. Dies
würde das Alter von Schildkröten bei weitem übertreffen.
Nachdem Harvey-Clark und der befreundete Taucher Jeffrey Gallant, ein Exemplar des Grönlandhaies
über fünf Jahre verfolgt und beobachtet hatten wurden Sie durch dieses Exemplar nach Baie-Comeau,
einer kleinen Gemeinde 400 Kilometer nordöstlich von Québec geführt. Dort konnten die Beiden zum
ersten Mal unter natürlichen Bedingungen Grönlandhaie in seichten Gewässern beobachten.
Seither organisieren Harvey-Clark und Gallant mit einer Gruppe von freiwilligen Tauchern immer
neue Expeditionen zu den Tieren bei Baie-Comeau. Dabei wurden viele neue Informationen über diese
Haiart gesammelt aber es taten sich auch viele neue Fragen auf.
"Die Haie scheinen in den Sommermonaten in diesen seichten Gewässern einfach rumzuhängen. Nach dem
Sommer verschwinden sie komplett", sagt Harvey-Clark, dessen Team bis zu 85 Exemplare bisher in den
Gewässern um Baie-Comeau gezählt hat. "Bei einem Tauchgang trifft man auf bis zu 11 Exemplare."
Grönlandhai
Foto: Chris Harvey-Clark
"Wir haben bisher keine Ahnung warum die Haie sich in den seichten Gewässern bei einer maximalen
Tiefe von 10 Metern versammeln und warum sie jedes Jahr zurückkehren. Auch wissen wir nicht warum
die Haie von drei Jahren das erstemal sich hier getroffen haben." sagt Harvey-Clark. "Beutereichtum
ist hier nicht gegeben, vor allem nicht wenn mehrer Exemplare auf kleinstem Raum versammelt sind.
Wir denken es hat mit den ökologischen Veränderungen in St. Lawrence zu tun. Vielleicht werden die
Haie auch nur von einem Walkadaver angezogen, welcher in der Nähe auf dem Meeresboden liegt."
Der Fund dieser Tiere in seichten Gewässern ist einzigartig. The Golf von St. Lawrence war von
jeher ein Trainings- und Ausbildungsgebiet für Taucher. "Bis 2003 wurden hier keine Grönlandhaie
gesichtet." sagt Harvey-Clark. "Und nun ist dieser Platz der einzige auf der Welt wo man ohne
große Anstrengungen diese Tiere beobachten kann."
Das Team um Harvey-Clark markiert die Haie und überwacht deren Aktivitäten. Dabei wurde herausgefunden,
das einige weibliche Haie in großen Tiefen verbleiben während männliche Haie sich Flussaufwärts Richtung
Québec bewegen. Sie wagen sich in Gebiete vor wo es keine Meeressäuger gibt.
"Wir haben ebenfalls herausgefunden, dass die Haie ein sehr aktives Verhaltensmuster aufweisen.
Normalerweise befinden sich die Haie in tiefen Gewässern. Von Sonnenuntergang zu Sonnenaufgang
verlassen sie die Tiefe und schwimmen alle 20 Minuten in Kreisen an die Oberfläche. Dies machen
Sie die ganze Nacht über," sagt Harvey-Clark. "Wir denken sie jagen entweder Seelöwen oder es ist
ein soziales Verhalten".
Des weitern weis man, dass 99 Prozent der arktischen Grönlandhaie von Parasiten befallen sind. Diese Parasiten
befallen die Augen der Haie und beeinträchtigen deren Sehvermögen bis hin zur Erblindung. "Die Haie
in St. Lawrence haben im Gegensatz dazu schöne, kristallklare Augen. Die Augen verfolgen einen, wenn
man an einem Hai vorbei schwimmt. Das unterscheidet diese Hai von der arktischen Population", sagt
Harvey-Clark. "Wie alle Haie sehen sie nicht sehr gut, doch benutzen Haie eine Vielzahl weitere
Sensoren. Sie sind sehr effektiv getarnte Raubfische, die einen flinken Seelöwen sogar bei Nullsicht
jagen und fangen können, ohne das dieser beunruhigt ist."
Bisher werden die Forschungen von Harvey-Clark privat finanziert. Durch Publikationen versucht der
Wissenschaftler weiter Expeditionen zu diesen faszinierenden Tieren zu finanzieren. Dabei ist er
auch auf Spenden angewiesen. Viele neue Experimente wurden erdacht und stehen zur Verwirklichung
bereit.
Diese Informationen und weiter interessante Erkenntnisse über den Grönlandhai kann man
unter
www.geerg.ca finden.
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